Balkan Stories #6

Albanien

Ein älterer Herr verkauft mit seinen Söhnen am Straßenrand Obst und Gemüse. Alle drei sitzen in Schubkarren im Schatten unter zwei großen Bäumen. Wir füllen zwei Tüten mit frischen Äpfeln direkt vom Baum sowie Tomaten, Kartoffeln, Pflaumen und möchten bezahlen. Die Söhne halten kurz Rücksprache mit ihrem Vater und entschließen sich, uns die beiden Tüten zu schenken. Wir protestieren, jedoch ohne Erfolg. Am Ende frage ich noch nach einem Portrait und der nette Herr willigt ein.

Über unsere Reise durch den Westbalkan habe ich ein Buch in Eigenregie veröffentlicht. In diesem Buch gibt es 52 Schwarzweißfotografien auf 88 Seiten zu sehen. Mehr Informationen sowie die Möglichkeit, es zu erwerben, gibt es hier.

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Balkan Stories #5

Korça, Albanien

Wir werden von sehr freundlichen Menschen zum frühstücken auf einer Baustelle eingeladen. Es gibt Zwiebeln, Knoblauch, eingelegtes Gemüse, wieder Raki, Bier und etwas Brot. Einer der Männer spielt für uns auf seiner Gitarre traditionelle Lieder und alle singen lauthals dazu. Die Gastfreundschaft ist unbeschreiblich herzlich und man legt uns ständig neue kleine Essereien auf die zerrissene Papiertüte, den improvisierten Teller.

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Balkan Stories #4

Korça, Albanien

Während wir unsere Sachen zum Weiterfahren packen, sehen wir immer wieder Taxis vorfahren, aus denen Menschen aussteigen und den Berg noch weiter hinauf wandern. Neugierig gehen wir hinterher und werden am Gipfel mit einem gigantischen Holzkreuz, einer kleinen steinernen Kapelle und einer traumhaften Aussicht über Korça belohnt. Die Menschen feiern den Namenstag des heiligen Elias in der hochgelegenen orthodoxen Kirche. Vor der Kirche unterhalten sich die Pilgernden locker und scherzen. Wir werden gefragt, ob wir ein Foto machen können. Wir fotografieren einen älteren Mann vor der Kirche und als Gegenleistung macht er ein Foto von uns mit der schönen Aussicht. Die Verständigung ist schwierig, aber beide Seiten bemühen sich mit Händen und Füßen. Er gibt uns Raki, hochprozentigen Schnaps, und wir stoßen auf den heiligen Elias an. Nach der Messe kommt der orthodoxe Priester aus der Kirche dazu, setzt seine Sonnenbrille auf, nimmt einen Raki und stoßt mit den restlichen Pilgern an.

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Balkan Stories #3

Korça, Albanien

Wir frühstücken Müsli in der Sonne auf einer Bank vor einer Taverne, als sich plötzlich ein älteres Pärchen, braungebrannt und gezeichnet vom Arbeiten im Freien, neben uns niederlässt und einen Berg Schweinefleisch auspackt. Der Kellner der Taverne serviert den beiden den fehlenden Rotwein dazu, um 9 Uhr morgens.

Fasziniert von der Situation frage ich, ob ich ein Foto machen darf und beide willigen freundlich ein.

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Balkan Stories #2

Bosnien & Herzegowina

Wir fahren auf einer kleinen Straße durch Bosnien & Herzegowina und genießen die wunderschöne Natur. Am Straßenrand sehen wir im Vorbeifahren einen Vater der mit seinem Sohn ein Tier grillt. Amüsiert sage ich zu meiner Frau: "Die beiden hätte ich gerne fotografiert." und sie sagt sofort: "Dann dreh um und hol dir das Foto. Trau dich." Ermutigt drehe ich um und parke unseren Bus am Straßenrand. Ich gehe zielstrebig auf die beiden, die mich mit verwunderten Blicken anschauen, zu und frage höfflich was sie grillen. Sie schauen mich immer noch verwundert an und zucken mit den Schultern. Ich frage erneut auf unterschiedlichen Sprachen was die beiden grillen und beide fangen an zu lachen. Wir können uns absolut nicht verständigen und die Situation wird gefühlt immer unangenehmer. Nach kurzer Zeit gestikuliere ich mit meiner Kamera das ich gerne ein Bild machen möchte. Beide willigen ein und positionieren sich neben dem Grill. Ich bedanke mich freundlich und gehe zurück zum Bus. 

Sehr gerne hätte ich die beiden näher kennengelernt und mich mit ihnen unterhalten aber wir konnten uns einfach nicht verständigen. Trotzdem war es eine Begegnung für die ich sehr dankbar bin.

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Balkan Stories #1

Mostar, Bosnien & Herzegowina

Direkt auf der Stari Most in Mostar bemerken wir einen jungen Mann, der nur mit einer Badehose bekleidet ist. Er ist von unzähligen Touristen umringt und gibt zu verstehen, dass er für Geld von der Brücke 19 Meter in den Fluss springt. Er hat schon einiges an Geld gesammelt, doch anscheinend reicht es ihm noch nicht. Er zelebriert die Vorbereitung für diesen Sprung ausgiebig indem er sich streckt, dehnt und etwas aufwärmt. Ein Kollege bringt einen Kanister mit kühlem Flusswasser zur Abkühlung. Mehrere Male steigt er über das Geländer der Brücke, nur um dann doch wieder abzubrechen. Die Touristen toben und können es kaum erwarten den jungen Mann springen zu sehen. Sie geben noch mehr Geld und schließlich überschüttet er sich mit dem Wasser aus dem Kanister und springt in den Fluss. Ungefähr 20 Sekunden später steht der nächste Brückenspringer parat und das Schauspiel beginnt von vorn.

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Sichtweise

Dem eigenen Instinkt zu vertrauen ist eine Sache die ich erst wieder lernen musste. Oft war ich geblendet von den angesagten Bildern in den sozialen Netzwerken und versuchte meine Kompositionen entsprechend zu arrangieren um eine möglichst hohe Reichweite und damit auch irgendwie Erfolg zu erzielen. Doch das ist kein guter Weg, denn dabei kann das Feingefühl für den eigenen Instinkt verloren gehen. Viele Dinge die meine Aufmerksamkeit erregt haben, habe ich nicht fotografiert da diese Fotos nicht in den sozialen Netzwerken funktioniert hätten. Ich musste wieder neu lernen genau diese Dinge zu fotografieren und auf meinen Instinkt zu hören. Denn die Bilder die ich machen möchte sollen ein Ausdruck meiner Sichtweise auf gewisse Orte, Menschen oder Situationen sein und keine Produktionen für die sozialen Netzwerke.

Augsburg

Vor ein paar Tagen waren wir in Augsburg unterwegs und die Leica M war natürlich auch mit dabei. Die folgenden Bilder sind eher nebenbei entstanden. Hauptsächlich habe ich mir viele Gedanken über Fotografie und meinem Weg damit gemacht. Ich merke immer wieder wie ich unzufrieden mit meinen Bilder bin und mich darüber ärger, nicht die Bilder gemacht zu haben, nach denen ich mich sehne. Oftmals liegt es daran, dass ich am falschen Ort bin oder mir schlicht und einfach der Mut fehlt. Die Fotografie fordert mich da momentan sehr heraus und ich versuche zu wachsen und die Bilder zu bekommen, die ich möchte. Ein Schritt auf diesem Weg stellt die "Street Photography" für mich dar, da sie versucht mitten im Leben bei den Menschen zu sein, Emotionen einzufangen und diese dann auch zu transportieren. "Street Photography" ist so viel mehr als sich heimlich Bilder zu ergaunern. Sie erweitert den Blick und lässt einen oftmals den "Puls" einer Stadt spüren und auch erleben. Auch wenn mich meine Bilder in diesem Gebiet noch nicht überzeugen, habe ich doch eine Menge dadurch gelernt und meinen Blick geschärft. Jetzt muss ich eigentlich nur noch abdrücken.